Rheuma und Antirheumatika: Beide schaden dem Herz

MMW, 12.12.2008

Zwei große Analysen beziffern das Ausmaß der kardiovaskulären Risikoerhöhung durch Rheuma und NSAR.

Patienten mit rheumatoider Arthritis haben eine um den Faktor 1,6 erhöhte kardiovaskuläre Sterblichkeit und ein um den Faktor 1,9 erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Dies folgern französische Autoren aus einer systematischen Metaanalyse aller Studien mit Rheumatikern, die Angaben zu kardiovaskulären Komplikationen enthielten. 23 Studien erfüllten die Kriterien und bestätigten, dass Rheuma nicht nur die Gelenke zerstört, sondern auch Herz und Gefäße in Mitleidenschaft zieht.

Dänische Autoren untersuchten, wie Herzpatienten nicht steroidale Antirheumatika vertragen. Sie rekrutierten ihr Kollektiv aus dem dänischen Patientenregister und wählten alle 58000 Herzinfarkt-Patienten und 107000 Patienten mit Herzinsuffizienz, die zwischen 1995 und 2002 stationär behandelt worden waren. Jeweils ein Drittel der Patienten in beiden Kollektiven hatten nach der Entlassung NSAR eingenommen. Die Autoren fanden, dass NSAR in beiden Kohorten das Sterberisiko dosisabhängig erhöhten, und zwar bereits ab dem siebten Behandlungstag. Es spielte dabei keine Rolle, ob Cox-2-Hemmer oder nicht selektive NSAR eingenommen wurden. Das nicht selektive Diclofenac fiel sogar dadurch auf, dass es das Risiko unmittelbar nach Therapiebeginn erhöhte und das Sterberisiko noch deutlicher steigerte als das vom Markt genommene Rofecoxib. Die Risikoerhöhung lag für alle Substanzen zwischen dem Faktor 2 und dem Faktor 3,5. Die Autoren mahnen zu einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung, wenn Herzpatienten NSAR benötigen.

Autor: Dr. med. Dirk Einecke


Originalquelle : C. Meune et al., Abstract 3154, G.H. Gislason et al., Abstract 5009, Jahrestagung der American Heart Association, New Orleans, November 2008